Schönes Wetter gehört irgendwie zum Engadin. Das ist in der Erinnerung aus meiner Kindheit so und ist es auch heute noch. Als Golfdestination war die Region mit dem ältesten Golfclub der Schweiz für mich kein Thema. Das hat sich schlagartig geändert.
Es brauchte die Überredungskünste und eine Einladung von Golffreunden, um den vermeintlich langen Weg über den Julierpass oder Albulapass auf sich zu nehmen. Und im Nachhinein darf gefragt werden, wieso diese kurze Reise – mit Golfmöglichkeiten unterwegs – nicht schon früher unternommen wurde.
Natürlich die Engländer Wer anders hätte es sein können als englische Kur- und Feriengäste, die Golf ins Engadin brachten. 1891 war es, als in St. Moritz der erste Golfplatz entstand, ein 9-Loch-Platz. Und in den englischen Medien warb der im gleichen Jahr gegründete St. Moritz Golf Club für das erste grosse Golf Turnier hoch oben in den Bergen. 1892 wurde von der Gemeinde Samedan die Bewilligung für einen 18-Loch-Platz erteilt, dem damals höchst gelegenen in Europa. Ein Jahr später wurde der Engadine Golf Club gegründet, dem sich 1902 der St. Moritz Golf Club anschloss. 1950 entstand dann der Samedan Golf Club, in dem sich golfbegeisterte Einheimische zusammenschlossen. Mit 800 Mitgliedern ist er heute der grösste im Engadin.
Zusammenschlüsse Was 1995 mit der Planung begonnen hatte, konnte im Juni 2003 vollendet werden. Der neue Platz von Zuoz-Madulain wurde eröffnet. Die Engadin Golf AG, seit 2005 Golf Engadin St. Moritz AG, wurde damit zur Betreiberin der beiden 18-Loch-Plätze.
Zwei Plätze – zwei Welten Sowohl der Golfplatz bei Samedan als auch derjenige bei Zuoz-Madulain lassen für den Golfer keine Wünsche offen. Wer auf der Terrasse des Engadin Golf Samedan steht, ist überwältigt. Der Ausblick über die Ebene des Flaz Baches in ein einzigartiges Bergpanorama lässt den Besucher für eine Weile vergessen, warum er hierher gekommen ist. Der an sich topfebene Platz – der höchste Punkte ist das erhöhte Green 2, das vielleicht drei Meter höher liegt - mit seinen teilweise über 700 Jahre alten Lärchen, deren Spitzen von Sturm und Blitzschlägen zersaust sind, mit den vielen kleinen Bächlein und Seelein, verlockt zu “Power Golf”. Doch Übermut tut auch hier selten gut, auch wenn es ausserhalb der Fairways meistens nicht allzu “bös" aussieht. Je nach Jahreszeit, vor allem von Mitte Juni bis Mitte Juli, wenn das Rough hoch steht, wird’s aber kritisch. Zwar findet man die Bälle meistens, doch einen Schlag verloren hat man rasch einmal. Neben dem erhöhten Green 2 gibt es noch ein paar Greens, die in einer kleinen Senke liegen. Gemeinsam haben alle Greens eines: sie sind gut verteidigt. Nicht nur durch Bunker, auch durch Bäume oder Gebüsch und seit kurzem auch durch immer mehr Wasser. Sie verlangen deshalb präzise Annäherungsschläge. Wer mit Köpfchen Golf spielt, lässt in Samedan bei manchem Abschlag den Driver im Bag. Das allerdings kann sich ändern, wenn nach 12 Uhr der Malojawind zu blasen anfängt. Dann wird der Driver möglicherweise zu einen schlecht getroffenen Eisen.
Kraft, aber der anderen Art, braucht es dafür in Zuoz. Im Gegensatz zu Samedan ist der neue Platz ein ständiges leichtes auf und ab und verlangt eine gewisse Fitness. Aber auch hier gilt es, den Kopf zu gebrauchen. Und das fällt manchmal schwer, wird man doch immer wieder aufs Neue von einem traumhaften Blick in die Engadiner Berge oder die historischen Dörfer Zuoz und Madulain abgelenkt. Ideal ist es, beim ersten Besuch jemanden bei sich zu haben, der den Platz kennt. Nicht, dass man viele blinde Schläge machen müsste, doch ist eine gute Platzkenntnis bei der Schlägerwahl ein grosser Vorteil. Etwa bei Loch 3, das bessere Golfer zum Abkürzen verlockt, obwohl man mit einem sauber getroffenen Holz 3 in eine Lage kommt, die nur noch ein kurzes Eisen zum Anspielen des Greens verlangt. Und man ist froh, wenn einem jemand beim Abschlag 7 sagt, man solle auf den Piz Kesch zielen, oder bei der 18, bei der man irritiert durchs Gelände (gilt nicht für den roten Damenabschlag) tendenziell zu stark rechts hält und dann fast unweigerlich im hohen Gras landet.
Erfreulich ist bei beiden Plätzen, dass die Driving Ranges gut ausgebaut sind und es deshalb erlauben, sich nicht nur gut aufzuwärmen, sondern auch wirklich zu trainieren.
Ach ja das Wetter Wenn man im Engadin auf die Wetterprognosen von SF DRS zu sprechen kommt, verfinstern sich die Gesichter der Angesprochenen. Man vertritt grundsätzlich die Meinung, dass die spezielle Lage der Region ungenügend berücksichtigt werde. Warum? Diese Frage beantwortete Thomas Bucheli von Meteo SF DRS: “Das Engadin hat rund sieben Klimaregionen und damit teilweise starke regionale Unterschiede, die im Gesamtüberblick zuwenig herausgeschält werden können. Am Fernsehen haben wir aber nur ein Symbol fürs Wetter im ganzen Engadin."
Hannes Huggel Huggel + Huggel Communication Projects |